Immer noch hoch
Es ist eine der schlimmsten Tragödien, die passieren können: Die Mutter stirbt bei der Geburt ihres Kindes. Die sogenannte Müttersterblichkeit gilt auch als messbarer Grad für die Qualität eines Gesundheitssystems.
Trotz weltweit gesundheitlicher Fortschritte ist die Müttersterblichkeit noch immer hoch. Dabei definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Müttersterblichkeit als den Tod einer Frau im Zusammenhang mit Schwangerschaft oder Geburt bis zu 42 Tage nach dem Ende der Schwangerschaft. Laut WHO sind im Jahr 2023 international rund 260.000 Frauen im Zuge der Schwangerschaft gestorben. In Deutschland werden dem Statistischen Bundesamt zufolge gerade einmal etwa 25 bis 30 Fälle pro Jahr erfasst. Offiziell liegt hier die Müttersterblichkeitsrate seit Jahren bei etwa vier Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten. Allerdings zeigt eine aktuelle Studie der Berliner Charité, dass dieser Wert möglicherweise deutlich zu niedrig angesetzt ist: Zwischen 2019 und 2022 lag demnach die Sterberate bei rund 9,1 Todesfällen pro 100.000 Geburten – also mehr als doppelt so hoch wie die bis dato geltende Zahl. Die Studie geht davon aus, dass offenbar nicht alle Fälle systematisch als Müttersterblichkeit erfasst werden.
Gut ausgebaute medizinische Versorgung hilft
Dass Deutschland und andere Industrieländer dennoch eine, weltweit betrachtet, vergleichsweise niedrige Müttersterblichkeit aufweisen, liegt vor allem an gut ausgebauter medizinischer Versorgung. So erhalten Schwangere und Gebärende regelmäßige Vorsorge, die Geburt wird von qualifiziertem Fachpersonal begleitet, und Notfallversorgung bei Komplikationen ist fast überall verfügbar. Zudem spielen soziale Faktoren wie generell gute Gesundheitsversorgung, Zugang zu Krankenhäusern, intakte Infrastruktur, Aufklärung und Nachsorge eine entscheidende Rolle. Laut WHO sind die Hauptursachen für Müttersterblichkeit starke Blutungen nach der Geburt, Bluthochdruck und Schwangerschaftskomplikationen, Infektionen wie Sepsis, Komplikationen bei Schwangerschaftsabbrüchen sowie problematische Geburten oder mangelhafte Versorgung bei Kaiserschnitt. Daneben spielen soziale und strukturelle Faktoren eine große Rolle. Dazu zählen fehlende ärztliche Versorgung, mangelnde pränatale Betreuung, fehlender Zugang zu Familienplanung und Verhütung, Armut, geringe Bildung und oftmals ein schlechtes Gesundheitssystem. Vor diesem Hintergrund ist klar, dass eine langfristige Verbesserung der Lage nicht nur medizinische Technik und Fachpersonal, sondern auch soziale und wirtschaftliche Voraussetzungen erfordert.
260.000 Frauen sind nach Angaben der WHO 2023 im Zuge von Schwangerschaft und Geburt gestorben.