Statt Sternen sucht der Gast heute außergewöhnliche Erlebnisse
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Im Interview spricht sie über neue Gästebedürfnisse, transformative Reiseerlebnisse und darüber, warum emotionale Relevanz heute wichtiger ist als jede Sterneklassifizierung.

Frau Oberhummer, welche Trends prägen aktuell das Reiseverhalten anspruchsvoller Gäste?

Luxusreisende suchen heute zunehmend nach Erlebnissen mit Bedeutung. Es geht nicht mehr um Statussymbole, sondern um Erinnerungen, die bleiben. Gefragt sind authentische, kuratierte Erfahrungen, die eine echte emotionale Verbindung zur Destination schaffen. Gleichzeitig gewinnt das Thema „Slow Luxury“ massiv an Bedeutung: Gäste reisen bewusster, bleiben länger und schätzen Raum, Ruhe und Qualität über Quantität.

Ein weiterer zentraler Trend ist „Transformational Travel“. Reisen soll nicht mehr nur entspannen, sondern idealerweise etwas im Menschen verändern – sei es durch neue Perspektiven, mentale Klarheit oder körperliches Wohlbefinden. Ergänzend beobachten wir eine starke Nachfrage nach „Hyper-Personalisierung“: Gäste erwarten maßgeschneiderte Erlebnisse, die exakt auf ihre individuellen Interessen, Lebensstile und sogar Stimmungen zugeschnitten sind.

Wie stellt sich die Spitzenhotellerie auf diese neuen Erwartungen ein?

Der entscheidende Schritt ist, sich vom klassischen Aufenthaltsort zum Kurator bedeutungsvoller Erlebnisse zu entwickeln. Hotels müssen heute Geschichten erzählen und Erlebnisse inszenieren, die Gäste emotional berühren.

Ein sehr gutes Beispiel ist das Bürgenstock Resort Lake Lucerne. Dort geht es längst nicht mehr nur um den Aufenthalt selbst, sondern um außergewöhnliche Momente: etwa wenn ein renommierter Biograf das Leben eines Gastes in persönlichen Memoiren festhält oder Gäste per Helikopter auf einen Gletscher fliegen und dort ein privates Raclette genießen. Solche Erlebnisse schaffen bleibende Erinnerungen – und genau darin liegt der neue Luxus: Zeit, Individualität und persönliche Bedeutung.

Exklusiver Luxus: Helikopterflug mit Raclette hoch oben auf dem Gletscher
Bildquelle: Bürgenstock Resort


Welche Rolle spielen dabei Themen wie Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit?

Eine sehr große. Nachhaltigkeit ist längst kein „Nice-to-have“ mehr, sondern Grundvoraussetzung – allerdings auf einem neuen Niveau. Es geht weniger um plakative Maßnahmen, sondern um glaubwürdige, tief verankerte Konzepte. Gäste hinterfragen stärker: Woher kommen Produkte? Wie wird mit Ressourcen umgegangen? Welchen Impact hat mein Aufenthalt?

Parallel dazu wächst der Wunsch nach Sinnhaftigkeit. Viele Reisende möchten mit ihrer Reise nicht nur sich selbst etwas Gutes tun, sondern auch der Region etwas zurückgeben – etwa durch kulturellen Austausch oder bewusst gewählte Experiences. Das führt zu einer neuen Form von Luxus, die stärker wertebasiert ist.

Welche Rolle spielen Slow Luxury und Transformational Travel konkret in der Praxis?

Beide Trends sind essenziell, weil sie direkt auf die Bedürfnisse einer zunehmend reizüberfluteten Gesellschaft reagieren. Slow Luxury steht für bewusste Entschleunigung – für weniger, aber dafür intensivere Eindrücke. Gäste suchen Orte, an denen sie wirklich abschalten können und Zeit wieder spürbar wird. Das Hotel Reiters Supreme in Österreich hat diesen Ansatz früh erkannt und mit Longevity-Konzepten sowie kuratierten Retreats erfolgreich umgesetzt. Hier geht es nicht um kurzfristige Erholung, sondern um nachhaltige Regeneration.

Transformational Travel geht noch einen Schritt weiter: Der Aufenthalt wird zur persönlichen Entwicklungsreise. Das Naäma Beach Villa & Spa in Fujairah ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Wellness, Mindfulness und individuelle Programme zu einem ganzheitlichen Konzept verbinden lassen. Gäste kehren idealerweise nicht nur erholt, sondern verändert zurück.

Longevity im Hotel Reiters Supreme
Bildquelle: Hotel Reiters Supreme


Welche weiteren Entwicklungen sehen Sie in der Luxushotellerie der Zukunft?

Wir sehen eine zunehmende Verschmelzung von Hospitality, Health und Lifestyle. Themen wie Longevity, mentale Gesundheit und ganzheitliches Wohlbefinden werden weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig wird Technologie eine größere Rolle spielen – allerdings eher im Hintergrund. „Seamless Luxury“, also unsichtbarer Service durch intelligente Systeme, wird wichtiger als sichtbare Technik. Ein spannender Trend ist zudem „Private Luxury“: exklusive Villen, Buyouts oder Rückzugsorte, die maximale Privatsphäre bieten. Gerade nach den letzten Jahren ist das Bedürfnis nach Sicherheit und Individualität stark gewachsen. Und nicht zuletzt wird auch die Rolle von Community neu gedacht: Luxus bedeutet heute nicht mehr nur Rückzug, sondern auch kuratierte Begegnungen mit Gleichgesinnten – sei es bei exklusiven Events, Retreats oder kulturellen Formaten.

Welche Impulse setzt Lobster Experience in diesem sich wandelnden Markt?

Wir verstehen uns als Schnittstelle und Impulsgeber der Branche. Wir beobachten Entwicklungen sehr genau und identifizieren frühzeitig Trends sowie Herausforderungen. Daraus entwickeln wir gezielt Formate und Lösungen. Ein Beispiel ist unsere B2B-Luxusreisemesse Loop, die wir 2014 ins Leben gerufen haben. Heute bringt sie in mehreren internationalen Ausgaben pro Jahr die wichtigsten Akteure der Branche zusammen – von Hoteliers über Destinationen bis hin zu Reiseeinkäufern. Unser Anspruch ist es, nicht nur zu begleiten, sondern aktiv mitzugestalten. Denn gerade im Luxussegment entscheidet heute nicht mehr nur Exzellenz, sondern vor allem Relevanz.

Erschienen April 2026 in Reisen im Wandel

Lobster Experience GmbH
Starkenburgring 12
63069 Offenbach