Uveitis: Chronische Erkrankung - viele Therapiemöglichkeiten
Wenn sich das Innere des Auges entzündet, gilt es, schnell zu handeln, damit die Sehfähigkeit möglichst erhalten bleiben kann. Dr. Benedikt Schworm, leitender Oberarzt für Augenheilkunde am LMU Klinikum München, setzt auf maßgeschneiderte Therapien.
Was genau ist eine Uveitis?
Dr. Schworm: Eine Uveitis ist eine Entzündung des Augeninneren. Wir unterscheiden drei verschiedene Formen, je nachdem, wo im Auge die Entzündung sitzt. Bei der vorderen oder auch anterioren Uveitis ist die Regenbogenhaut im Auge entzündet. Patienten klagen über rote Augen, verschwommene Sicht, Schmerzen und Lichtempfindlichkeit. Eine Entzündung des mittleren Teils des Augapfels bei der intermediären Uveitis äußert sich vor allem in trübem Sehen und Nebel. Bei einer Entzündung des hinteren Teils, der posterioren Uveitis, kommt es zu Flimmern und Flackern. Die Betroffenen sehen seltsame Lichter und generell schlechter.
Heilt die Entzündung nicht von selbst wieder ab?
Dr. Schworm: Nein. Zwar gibt es Formen infektiöser Uveitis, die zum Beispiel durch Herpesviren oder Toxoplasmose-Erreger ausgelöst werden und wieder abklingen, sobald die Grunderkrankung behandelt ist. Die überwiegende Zahl der Uveitis-Fälle geht aber auf eine Autoimmunreaktion zurück, ist also nicht infektiös und heilt deshalb auch nicht von selbst ab. Diese Uveitis muss dauerhaft behandelt werden, da sonst die Entzündung immer wieder aufflammt. Für alle Formen gilt: Wird nicht ausreichend behandelt, lagert sich Flüssigkeit in der Netzhaut ein. Es entsteht ein sogenanntes Makulaödem, das die Stelle des schärfsten Sehens, die Makula, schädigt und damit die Sehfähigkeit dauerhaft verschlechtert. Denn die Makula kann nicht repariert werden. Ziel ist es also immer, die Entstehung eines Makulaödems zu verhindern und die Sehfähigkeit zu erhalten.
Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Uveitis?
Dr. Schworm: Nach der genauen Diagnose wird die Behandlung maßgeschneidert auf den Patienten angepasst. Wichtig ist zunächst, den akuten Entzündungsschub zu stoppen und zu unterdrücken. Hierbei hilft Kortison – in der Regel lokal verabreicht, in schweren Fällen aber auch kurzzeitig systemisch in Form von Tabletten. Im zweiten Schritt geht es darum, die Entzündung dauerhaft zu unterdrücken und damit ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Je nachdem, welcher Teil des Auges entzündet ist, wird anders behandelt. Ist der vordere Teil betroffen, gibt es beispielsweise dauerhaft niedrig dosierte Kortison-Augentropfen. Ist der hintere Teil betroffen, kann entweder eine Therapie mit immunsuppressiven Medikamenten wie auch bei Rheuma-Erkrankungen begonnen werden oder es wird ein länger wirkendes Kortison direkt in das Auge eingebracht.
Welche Patienten eignen sich für eine direkte Kortison-Behandlung ins Auge?
Dr. Schworm: Kortison kommt nicht zum Einsatz, wenn der Patient unter einem starken Anstieg des Augeninnendrucks oder an einem Glaukom leidet. Ansonsten kann beispielsweise ein länger wirkendes Kortison-Implantat, welches in das Auge eingegeben wird, kontinuierlich und direkt am Ort der Entzündung wirken. Das kann für viele Patienten eine Reduktion an Injektionen bedeuten und aus diesem Grund von Vorteil sein.
Gibt es eine Möglichkeit zur Vorbeugung bei dieser Erkrankung und wo kann ich mir Hilfe holen?
Dr. Schworm: In der Regel kommt die Uveitis allein und ist nicht mit Risiko- oder Lebensstilfaktoren verbunden. Vorbeugen kann man also nicht. Mit der passend abgestimmten und eingestellten Behandlung kann man gut mit der Erkrankung leben. Unterstützung gibt es durch Selbsthilfegruppen oder Uveitis-Gesellschaften wie die DUAG.
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