Wenn sich die Haut in der Tiefe entzündet
Tief sitzende Knoten, schmerzhafte Entzündungen, jahrelange Odyssee bis zur Diagnose – Akne inversa ist eine chronische Hauterkrankung, die Betroffene körperlich und seelisch stark belastet. Zugleich gibt es heute deutlich bessere Diagnose- und Therapieoptionen als noch vor wenigen Jahren.
Akne inversa, medizinisch auch Hidradenitis suppurativa genannt, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haarfollikel in Hautfalten, etwa in Achseln, Leisten oder unter der Brust. Typisch sind wiederkehrende Knoten, Abszesse und Fistelgänge, die sich entzünden, eitern, schmerzen und schließlich Narben hinterlassen und die Lebensqualität massiv einschränken. In Deutschland sind Schätzungen zufolge 0,05 bis 0,4 Prozent der Bevölkerung betroffen – die Dunkelziffer dürfte höher sein, weil sich viele schämen und die Erkrankung häufig erst nach Jahren erkannt wird.
Ursachen, Risiko und erste Schritte
Die genaue Ursache für das Entstehen von Akne inversa ist nicht vollständig geklärt, Fachleute sprechen von einer multifaktoriellen Erkrankung. Eine Rolle spielen genetische Veranlagung, Fehlfunktionen der Haarfollikel und eine überschießende Immunreaktion. Verstärkt werden Schübe durch Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, mechanische Reibung in Hautfalten sowie hormonelle Einflüsse. Medizinisch relevant wird es, wenn Knoten immer wiederkehren, Schmerzen auftreten, Narben entstehen oder die Beschwerden den Alltag einschränken. Spätestens dann ist der Weg zum Arzt wichtig – idealerweise zunächst zur Hausärztin oder direkt zum Dermatologen.
Der Hausarzt kann frühe Stadien erkennen, Entzündungen behandeln und an spezialisierte Hautärzte überweisen. Zur Diagnose gehören Anamnese, Blick auf typische Körperregionen und Einschätzung des Schweregrads, etwa nach Hurley-Stadien oder dem IHS4-Score. Je früher Akne inversa erkannt wird, desto besser lassen sich schwere Verlaufsformen verhindern.
Therapie: von Antibiotika bis Biologika
Die Behandlung richtet sich nach Aktivität und Schwere der Erkrankung. In leichten Stadien kommen oft lokale Maßnahmen und kurzfristige Antibiotika zum Einsatz. Bei ausgeprägter, aktiver Akne inversa empfehlen aktuelle Leitlinien zunehmend Biologika – zielgerichtete Antikörper, die bestimmte Botenstoffe des Immunsystems blockieren und so die Entzündung bremsen. Inaktive, vernarbte Formen der Erkrankung sind eher die Domäne der Chirurgie: Durch das Entfernen von Fistelgängen und Narbengewebe lassen sich Schmerzen und Entzündungsherde reduzieren. Ergänzend kommt in Deutschland die sogenannte LAight-Therapie zum Einsatz, die mit einer Kombination aus Licht- und Radiofrequenz Entzündungen hemmen, Bakterien zerstören, die Wundheilung fördern und so eine Linderung der Schmerzen bewirken kann.
Was Betroffene selbst tun können
Neben der medizinischen Therapie spielt auch der Lebensstil eine wichtige Rolle. Studien zeigen, dass Gewichtsreduktion und Rauchstopp den Verlauf deutlich verbessern können. Weite, atmungsaktive Kleidung, sorgfältige, aber schonende Hygiene sowie das Vermeiden starker Reibung und Schwitzen in betroffenen Bereichen helfen, neue Schübe zu reduzieren. Viele Betroffene profitieren zudem von psychologischer Unterstützung oder Selbsthilfegruppen, denn Stigmatisierung und Scham sind häufig – und können den Umgang mit der Erkrankung erschweren. Heilung im Sinne eines vollständigen Verschwindens der Symptome ist bei Akne inversa selten, doch die Prognose hat sich verbessert. Mit frühzeitiger Diagnose, leitliniengerechter Therapie und konsequenter Betreuung lassen sich Schmerzen, Schubhäufigkeit und Folgeschäden deutlich verringern. Ziel der Behandlung ist es, Entzündungsaktivität zu kontrollieren, die Lebensqualität zu erhöhen – und Betroffenen ein möglichst normales, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Rund 830.000 Deutsche, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Dermatochirurgie, leiden an Akne inversa. Andere Schätzungen gehen von bis zu zwei Millionen Betroffenen aus.